Das Naturreservat Tambopata im peruanischen Regenwald

Als ich aufwachte, war es heiß und stickig. Um 06:00 Uhr hatte ich immer noch Pullover und Jacke an – so wie ich im Nachtbus von Cusco nach Puerto Maldonado eingeschlafen bin. 10 Stunden später und 3000 Meter weiter unten (auf knapp 200 Meter über dem Meer) waren Temperatur und Luftfeuchtigkeit gleichermaßen hoch. Das merkte man selbst im Bus.

Into the jungle

Wir hatten noch Zeit zum Frühstücken und fuhren dann um 09:00 Uhr eine Stunde auf dem Rio Madre de Dios zur Monte Amazónico Lodge, einer Ecolodge im Naturreservat Tambopata.

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Unser Guide David zeigte Melli und mir (und mit uns drei Schweizern, vier Maltesern und einem Holländer) die Lodge, wo wir uns für vier Tage zuhause fühlen konnten. Wir bekamen einen Begrüßungssaft aus irgendeiner leckeren Urwald-Frucht und wir bezogen unsere Zimmer, die einfach, aber absolut ausreichend eingerichtet waren. Das wichtigste war vorhanden – das Moskitonetz über dem Bett.

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Danach brachen wir zu einem Kennenlern-Spaziergang durch den Dschungel auf, wo David uns allerhand interessante Pflanzen zeigte. Wir waren überwältigt von all dem Grün, den Geräuschen, dem Klima…

Wir sahen „laufende“ Palmen (die neue Wurzeln ausbilden können, andere absterben lassen und sich so bis zu einem Meter pro Jahr bewegen können – immer Richtung Licht), Ficus-Bäume mit mannshohen, flachen Wurzeln, die andere Bäume umschließen und absterben lassen, viele Früchte, darunter Zitrusfrüchte, die wir auch probierten, Ananas und Bananen. Außerdem konnten wir die ersten Ameisen sehen und einen schönen blauen Schmetterling.

Äffchen

Nachdem sehr leckeren 3-Gänge-Mittagessen ging es auf die Isla de los Monos, wo vor 12 Jahren Kapuzineräffchen ausgewildert wurden. In der Regenzeit war es zwar nicht ganz so leicht, welche zu sehen, aber wir hatten Glück. Schon nach kurzer Zeit sahen wir die kleinen Äffchen, die hoch oben in den Bäumen turnten. Es war herrlich niedlich, ihnen beim Spielen, Essen, Trinken, sich Lausen und sich am Schwanz baumeln lassen, zuzuschauen. Mit der Zeit bekamen wir ziemlich viele Affen zu Gesicht, was wirklich nicht selbstverständlich ist. Andere Gruppen an anderen Tagen sahen leider gar nichts.

David hatte eine Tüte mit Obst dabei und als die Affen immer neugieriger wurden und uns zum Teil ziemlich nahe kamen, zeigte er ein paar Bananen und Orangen vor oder warf sie in die Luft, wo die Affen sie fangen konnten.
Ein Affe kam bis auf den Boden, schaute in die hingehaltene Tüte, griff sich zwei Bananen und klemmte sie sich unter die Arme. Eine dritte steckte er sich in den Mund und verschwand wieder schnell auf einen Baum. Dann sahen wir nur noch, wie die Schalen auf den Boden zurück geworfen wurden. Tierbeobachtungen sind doch was schönes 🙂

Nach dem Abendbrot machten wir uns noch mal mit dem Boot auf den Weg um entlang der Flussufer auf die Suche nach Kaimanen zu gehen. Wir hatten Glück (und David ein verdammt gutes Auge… unglaublich dieser Kerl 😉 ) und wir konnten drei Köpfe aus dem Wasser schauen sehen. Klein und reglos, wahrscheinlich auf der Jagd, saßen sie da und ließen sich von uns, die natürlich gebührenden Abstand hielten, nicht stören.
Wir sahen (offenbar…) den weißen, den schwarzen und den Zwergkaiman. Aber man muss bei der Wahrheit bleiben – ich sah in der Dunkelheit und auf die Entfernung drei Köpfchen, die zum Teil auch komisch geformte Holzstücke hätten sein können. 😉 Aber aufregend war es trotzdem!

Der frühe Vogel beobachtet Kaiman, Schildkröte und Otter

Um 4:00 Uhr klingelte der Wecker. Puh, früh. Alles war noch dunkel, nur die beständige, dschungeltypische Geräuschkulisse ist zu hören. Insekten zirpen, quieken, fiepen, ab und zu sind Affenrufe oder Vogelstimmen zu vernehmen.

Nach dem wortkargen Frühstück fuhren wir zum Lago Sandoval, einem See mitten im Urwald, der irgendwann einmal vom Fluss abgetrennt wurde und wo sich viele Tiere ihren Lebensraum teilen.

Nach zwei Stunden durch Matsch – zum Glück hatten wir alle Gummistiefel an – kamen wir am Zugang zum See an. Zwischendurch konnten wir schon Papageien sehen und Rote Feuerameisen beobachten, wie sie aufgeregt den Baumstamm auf und ab liefen. „Nicht anfassen!“, war da die Devise… Genauso wie bei den Palmengewächsen, die spitze Stacheln an ihrer Rinde haben. Einfach um Bäume schwingen, wie das in den heimischen Buchenwäldern geht, kann hier schmerzhaft enden.

Wir fuhren mit einem kahnartigen Boot (natürlich zog ich den Jackpot und durfte zunächst paddeln…) auf der Suche nach Tieren auf den See und wurden nicht enttäuscht. Fledermäuse ruhten an Palmen, verschiedene Vogelarten saßen im Gebüsch, eine Schildkröte schaute uns ruhig von einem Baumstamm an und in der Ferne konnten wir den Riesenotter herumtollen sehen (bzw. wir konnten etwas sehen, das sich bewegte… Es war dann doch weit weg…). Ein sehr seltenes und gefährdetes Tier, das hier lebt. Wir hatten echt Glück, es gesehen bzw. erahnt zu haben!

Auf der Rückfahrt rief Mark von der Spitze des Bootes auf einmal „There’s a croco!“ – und tatsächlich. Auf uns schwamm ein Kaiman zu, der nichts mit den kleinen Köpfen des Vorabends zu tun hat. Das hier war ein richtig großes Krokodil! Mit richtigen Zähnen, blitzenden, scharfen Augen und einem langen Schwanz, der durchs Wasser schlängelt. Wow. Alle waren aufgeregt und hielten den Atem an, als das Tier im – ungelogen, fragt Melli! – Abstand einer Armlänge an unserem Boot vorbei schwamm. Es beäugte uns kritisch, wahrscheinlich ein Weibchen, dass sein Nest bewachte.
Selbst unser Guide David sagt, dass er sowas noch nicht erlebt hat und er war selbst richtig aufgeregt und zückte sein Handy um zu fotografieren. Ein eindrucksvolles Erlebnis! Wow.

Zurück in der Lodge wartete ein freier Nachmittag auf uns. Nach zwei Nächten ohne viel Schlaf war es mal nötig, ein Mittagstündchen zu halten und die Akkus aufzuladen. Das Klima im Dschungel tat sein Übriges. Zur Mittagszeit war selbst beim Liegen und Nichtstun schwitzen angesagt. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, irgendwie wird der Körper nie trocken. Der Pool, der zur Lodge gehörte, wurde demnach mehrfach am Tag gern als Abkühlung mitgenommen!

Nachts im Regenwald

Nachtwanderung. Früher im Ferienlager war das schon immer ein Highlight, im Regenwald ist das natürlich nicht anders. Nach dem wunderschönen Sonnenuntergang…

…verließen wir mit Stirnlampen und Machete ausgerüstet die Lodge und beobachteten große Vogelspinnen, die an Palmen hängend auf Jagd waren und sahen allerhand Insekten. Raupen, Käfer, Kakerlaken, Leuchtkäfer, außerdem noch einige Spinnen mehr, teilweise giftige Jagdspinnen und eine Vogelspinne im Erdloch. Bei ausgeschalteten Lampen ließ David dann noch eine der vielen Dschungel-Geschichten von sich hören. Wenn man nicht mal die Hand vor Augen sieht, um einen rum die Insekten laut zirpen und selten mal ein Vogelruf oder das Geschrei eines Affen die sonst gleichbleibende Geräuschkulisse unterbricht, kommt man nicht umhin, gefesselt zu sein… Alleine in Wald, nachts, ohne Lampe und Guide… Ach nein, lieber nicht 😉

Fun, Fun, Fun

Auch wenn ich noch tagelang durch den Dschungel hätte streifen und mir Davids Geschichten und Erklärungen zu Pflanzen und Tieren hätte anhören können, sah das Programm am dritten Tag etwas mehr „Action“ vor. Vielleicht trifft das eher den Geschmack des Ottonormalbackpackers?! Wer weiß 😉

Morgens fuhren wir angeln. Unser Profi-Equipment bestand aus einem Stock, einem Stück Sehne, einem Bleikügelchen, einem Haken und einem Stück Fleisch, das wohl vom Mittag des Vortrages übrig blieb. Mit ähnlichen Utensilien hatte meine Mutti vor bestimmt 15-20 Jahren einen fetten Karpfen aus dem Feuerlöschteich hinter Rubenow raus gezogen. wieso sollte es hier also nicht klappen?! 🙂

Die Fische knabberten dauernd, aber selten wurde daraus dann mehr. Ich hatte das Glück einen „Macheten-Fisch“, wie David ihn liebevoll nannte, raus zuziehen, Melli ging leider leer aus 😉 Aber insgesamt war unsere Truppe überaus erfolgreich für eine Stunde Stock ins Wasser halten und der Fisch schmeckte herrlich! Zum Mittag gab es einen großen, an dem erstaunlich viel dran war und einen kleinen Piranha zum Kosten. Nach dem Braten waren tatsächlich nur knusprige Haut und Gräten übrig geblieben. Den Rest bekam das fleißige Team der Lodge, das uns die Tage über so gut bewirtete!

Vor dem Mittag gingen wir noch Kajak fahren. Mit dem Strom war das keine allzu große Anstrengung, aber das erfrischende Bad vor der Lodge war trotzdem ein schöner Abschluss.

Nach dem Essen stand dann der letzte Punkt auf dem Programm. Canopy und Ziplining. Was uns vor unserer Reise nicht allzu viel sagte (zumindest ersteres), lernt man hier drüben recht schnell. Jeder bietet das an. Hier die längste Zipline auf dem südamerikanischen Festland, da das/die/der höchste Canopy… Aber einzeln buchen würden wir es trotzdem nicht… 😉 als Paketbestandteil – nun gut, mitgenommen!

Wir bekamen Klettergurte an (lustigerweise der gleiche, den ich auch in Deutschland benutze, der gute Petzl Corax :-D) und gingen in den Wald. Wir rauschten von einer Plattform in den Bäumen zwischen den Wipfeln am Stahlseil entlang und hatten nochmal ganz andere Aussichten auf den Wald. Außerdem liefen wir über eine Seilbrücke (das ist dann wohl Canopy 😉 Ein Baumkronenpfad über Hängebrücken!) und konnten die hunderte Jahre alten Bäume von oben sehen. Ein Meer aus Grün. Schön!

Den wieder einmal unvergesslichen Sonnenuntergang will ich nicht vorenthalten 😉

Dem Jaguar auf der Spur

Der letzte Tag war dann ohne Aktivität geplant, aber am morgen lief ich mit Patrick nochmal allein in den Dschungel. Wir sahen einige Spinnen, ein Eichhörnchen und zu unser großen Überraschung auch Jaguarspuren. Wow… Da war die Aufregung schon groß, aber es blieb bei den Spuren. Sie waren zwar frisch und vielleicht sah er uns? Aber zeigte sich nicht. Was für ein aufregendes Erlebnis zum Abschluss. Da konnte selbst die Vogelspinne, die sich im Baumstamm versteckte kaum mithalten 😉

Als Highlight war dann in der Lodge noch eine Schlange zu Besuch, die gerade einen Artgenossen verspeiste. Unglaublich, aber so ist das in der Natur. Auf den Schreck sprangen wir zum Abschluss noch einmal in den Pool, erfrischten uns und packten unsere Sachen für die Abfahrt.

Nachdem wir nochmal mit angeln durften (dieses Mal ohne Erfolg…), ging es für uns zurück nach Puerto Maldonado und in der Nacht nach Cusco.

Der Ausflug in den Regenwald war unvergleichlich. Ein tolles Erlebnis, wobei wir so viel gesehen und gelernt haben. Gerade die Tierbeobachtungen sind für uns immer wieder Highlights der Reise (und ich bin froh, das Teleobjektiv nicht umsonst dabei zu haben 😉 ). Der Regenwald ist kein Ort, um Unmengen an Tieren zu sehen. Die Möglichkeiten, sich zu verstecken, sind riesig und der Jaguar könnte zwei Meter neben dem Weg stehen und ich würde ihn nicht entdecken. Aber die Beobachtungen, die man dann tatsächlich macht, sind umso aufregender und lohnender. Wenn die ganze Truppe den Atem anhält, wenn wir einen Vogel oder eine Spinne sehen… Es ist einfach toll! Wobei man sich sagen muss, dass wir viel Glück hatten, längst nicht jeder sieht die Affen, Kaimane, Schlangen und vieles mehr…

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