Machu Picchu – Tourihölle oder Inka-Faszination?

Diese Frage haben wir uns jedenfalls gestellt bevor wir zu der Sehenswürdigkeit schlechthin in Peru – und vielleicht sogar in ganz Südamerika – gereist sind.

Nachdem die Inka-Ruinen 1911 vom US-Amerikaner Hiram Bingham wiederentdeckt wurden, erlangen sie Weltruhm. Das liegt vor allem daran, dass Häuser und Tempel sehr gut erhalten sind, weil dieser Ort den spanischen Konquistadoren verborgen blieb und sie ihn nicht zerstören konnten, so wie fast alle anderen Gebäuden der Inka. Vor allem die Tempel wurden bis auf die Grundmauern verwüstet und darauf Kirchen errichtet. Ein trauriges Stück Geschichte!

Um so erstaunlicher, dass bis heute ein Stück der Inka-Kultur durch die Bevölkerung erhalten geblieben ist. So sprechen zum Beispiel noch immer geschätzt 10 Millionen Menschen die damalige Inka-Sprache Quechua und auch der Glaube an Pachamama, die Mutter Erde, ist allgegenwärtig und wird durch diverse kulturelle Riten ausgelebt.

Unglaublich ist jedenfalls wie viele Touristen diese Inka-Faszination (oder der Herdentrieb 😉 ) jährlich nach Machu Picchu treibt. In der Hochsaison von Mai bis September soll es täglich bis zu 7.000 Besucher geben! Und die Sorgen natürlich für gute Einnahmen, weswegen die eigentlich maximale Besucherkapazität von 2500 gern übergangen wird… Da waren wir schon mal froh, dass unser Besuch außerhalb der Hochsaison anstand, nämlich Ende März.

Die Frage der Fragen – Wie kommen wir da hin?

Die Ruinen liegen sehr abgelegen, hoch über dem Urubamba-Tal und eine direkte Straßenanbindung gibt es nicht. Um zur Ausgangsbasis der meisten Machu Picchu Erkundungen zu gelangen, dem kleinen Touristenort Aguas Calientes, gibt es diverse Möglichkeiten, die in Sachen Komfort und Preis unterschiedlicher kaum sein könnten.

  • Die erste Möglichkeiten besteht darin von Cusco mit einer Kombination aus Bus und Zug anzureisen. Das Ganze dauert 3,5 bis 4 Stunden, aber vor allem die Zugfahrt ist unglaublich teuer – circa 120 US-Dollar für beide Strecken!
  • Eine Low-Budget Backpacker Variante gibt es auch. Dafür fährt man ungefähr 7 Stunden über kurvige Straßen zum Wasserkraftwerk Hidroelectrica und läuft danach noch mal 12 Kilometer, 2,5 bis 3 Stunden, neben der Bahnstrecke bis nach Aguas Calientes. Eine Busfahrt kostet nur circa 10 US-Dollar.
  • Es gibt auch noch die Möglichkeit über den Inka-Trail direkt nach Machu Picchu zu gelangen. Dabei wandert man 4 Tage über einen originalen Inka-Weg, der damals Machu Picchu mit Cusco verband. Täglich sind allerdings nur 500 Wanderer zugelassen, weshalb man den Trek bis zu einem halben Jahr im Voraus buchen muss. Der ganze Spaß ist dann mit 500 US-Dollar auch nicht wirklich günstig…
  • Andere Wanderung wie der Salkantay- oder der Lares-Trek sind nicht begrenzt, sollen aber auch sehr lohnenswert sein! Leider kommt man nicht direkt in Machu Picchu an, so wie mit dem Inka-Trail. Außerdem gibt es noch den sogenannten Inka-Jungle, eine Kombination aus Mountainbiken, Ziplinen, Raften und Wandern. Das war uns dann aber doch etwas zu konstruiert… 😉

Auf normalem Weg (das heißt mit dem Zug) nach Machu Picchu zu gelangen ist teuer, zumal auch der Eintritt mit 45 US-Dollar zu Buche schlägt. Da kommt dem ein oder anderen Touristen (vor allem Backpacker) doch in den Sinn, dass es sich um eine ganz schöne Touristenausbeute handelt. Aber so einfach ist es eben doch nicht! Auf dem Ruinengelände arbeiten sehr viele Leute, die täglich für den Erhalt der Stätte sorgen und verhindern, dass der Ort durch Erosion weiter verfällt. Es ist wirklich unmöglich im Tal eine direkte Straße nach Aguas Calientes zu bauen, weil neben dem Fluss der Platz gerade mal für die Gleise reicht (Spoiler: Wir sind eine Strecke Zug gefahren 😉 ). Links und rechts daneben gehen die Berge steil in die Höhe. Außerdem ist die Wartung der Zugstrecke aufwendig, da es auch öfter mal zu Überschwemmungen durch den Rio Urubamba kommt. Auch der Preis für den Inkatrail ist in meinen Augen gerechtfertigt. Es dürfen nämlich keine Lastentiere auf den Weg mitgenommen werden, um die historische Inka-Straße nicht zu beschädigen. Das heißt, dass eine Horde von Trägern den Touristen Kochausrüstung, Essen, Zelte und andere Dinge hinterher trägt…

Serpentinen, Fahren am Abgrund, Wandern

Für unseren eigenen Besuch wählten wir den günstigeren, wenn auch umständlicheren Weg mit Bus und Fußmarsch. Morgens um 7.30 Uhr wurden wir von einem kleinen Van abgeholt und erreichten Hidroelectrica 7 Stunden später. Die Fahrt war wirklich keine Spazierfahrt. Die vielen Kurven hoch und runter setzten vor allem Erwin zu und beim letzten unasphaltierten Stück entlang eines Bergrückens rutschte dann mir das Herz in die Hose. Da ging es bestimmt mehrere hundert Meter steil nach unten zum Fluss! Irgendwann waren wir dann aber endlich dort und konnten weiter marschieren. Da viele Budgetreisende diesen Weg wählen, war es entsprechend voll. Um Machu Picchu ist man wohl nie alleine 😉

Die Wanderung ist an sich nicht der Rede Wert. Es geht recht flach dahin, manchmal über Steine, oft aber auch auf kleinen Wegen. Hätte es nicht geregnet und würde man nicht schon 7 Stunden auf den Beinen sein – wir hätten es glatt richtig genossen 😉

Nach 2,5 Stunden Laufen durch den Regen kamen wir endlich in Aguas Calientea an – ziemlich knülle. Da wir vorher nichts gebucht hatten, ließen wir uns am Ortseingang ein wirklich sehr günstiges Zimmer „aufschwatzen“ – erstaunlicherweise war es dann doch ziemlich gut und wir fanden nur eine Ameise und eine Kakerlake! 😉 Wahrscheinlich herrscht in dem kleinen Ort ein großer Konkurrenzkampf um die Touristen. Nach dem Abendbrot gingen wir früh schlafen… Am nächsten Morgen wollten wir um 4 Uhr aufstehen, um Machu Picchu zu Fuß zum Sonnenaufgang zu erreichen. Immerhin 400 Höhenmeter hinauf!

Qualen auf endlosen Treppen

Und die hatten es am nächsten Morgen wirklich in sich. Viele andere, vor allem junge, Touristen wollten mit uns hinauf. Es ging fast ausschließlich über hohe, steile Stufen nach oben. Eklig… außerdem gab es einige Moskitos hier unten. Machu Picchu liegt nur auf 2400 Metern. Nachdem ich schon nicht mehr dran geglaubt hatte, kam allerdings auch ich nach etwas mehr als einer Stunde am Eingang an, wo Erwin schon in der frischen Morgenluft saß 🙂

Und hinein in den Rummel! 🙂

Auch um kurz nach 6 Uhr herrschte hier schon ordentlich Betrieb. Mit unserem vorab gekauften Ticket ging es dann auch zügig hinein zur Inka-Stätte. Wir stiegen noch ein paar Meter höher um vom Rand einen schönen Blick auf die Ruinen zu haben. Und wow! Der Blick hat uns ganz schön umgehauen. Die Anlage fanden wir beeindruckend groß, das Wetter am Morgen bot Sonnenschein und es waren noch relativ wenig Touristen zwischen den Ruinen unterwegs.

Ein bisschen mehr Infos über den Ort wollten wir allerdings auch bekommen. In Machu Picchu gibt es keine Hinweistafeln, wo man etwas nachlesen kann. Also haben wir uns am Eingang einen Guide genommen, der uns 2,5 Stunden rumgeführt und sehr, sehr viel erklärt hat. Wirklich interessant! Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Stadt vom nahe gelegen Berg (der wiederum eigentlich Machu Picchu heißt, nicht die Stadt. Ihr Name hat die Zeiten nicht überdauert…) die Form eines Kondors hat? Eines der heiligen Tiere der Inka! Das muss man sich mal vorstellen. Da sind die alten Inka-Architekten 3 Stunden auf einen Berg hoch- und runtergestiegen, um zu überprüfen, wo jetzt genau die Gebäude für den Kondorkopf hinkommen müssen…

Nachdem wir uns danach ein kleines Mittagspäuschen gegönnt hatten, war es auch schon 11 Uhr. 5 Stunden waren wir nun schon hier oben und wir wollten noch zum Sonnentor und zur Inka-Brücke laufen. Zum Sonnentor läuft man eine Stunde leicht bergauf. Das Stück ist der letzte Teil des Inka-Trails und man hat einen super Blick auf die Stadt.

Ein anderer Weg für zur „Inka-Brücke“ – diesen Pfad haben die Inka an sehr steilen Felsvorsprüngen gebaut. Wow!

3 weitere Stunden sind so vergangen. Nach einem kurzen Päuschen im Rasen sind wir ein letztes Mal durch die alten Ruinen gegangen. Da es zu regnen anfing, habe ich mir den Bus zurück nach Aguas Calientes gegönnt. Erwin wollte die steilen Stufen zu Fuß wieder zurück laufen.

Am Abend ging es ihm komischerweise aber dann nicht so gut 😉 und es war klar, dass der lange und anstrengende Rückweg über Hidroelectrica nicht wirklich in Frage kommt. Also haben wir uns die günstigsten Zugtickets (die immer noch 50 Euro pro Person gekostet haben…)  für den nächsten Morgen gekauft und sind nach dem langen Tag schnell schlafen gegangen.

Zurück nach Cusco

Die Zugfahrt am nächsten Tag war wirklich komfortabel. Es gab viel Platz, ein Getränk und einen Snack für jeden. Tatsächlich hatte ich das Zug-Fahren in Deutschland vermisst. 😉 Aber auch in Peru kamen wir nicht ohne eine 1-stündige Verspätung aus. Aber wir hatten ja keinen Zeitdruck und außerdem waren die Ausblicke aus dem Zug nicht ohne! Aber irgendwann kamen auch wir dann wieder in Cusco an.

Für uns beide hat sich Machu Picchu definitiv gelohnt. Wir sind mit gemischten Gefühlen und geringen Erwartungen angereist, weil wir vorher auch negative Berichte gelesen und gehört hatten und wurden positiv überrascht. Der Menschenandrang hielt sich in Grenzen, als wir dort waren und außerdem ist die Anlage doch recht groß, sodass sich die Touristen gut verteilt haben. Die Ruinen gepaart mit der einmaligen Lage haben uns wirklich beeindruckt. Aber diese Wirkung ist halt bei jedem anders und auch wir haben mit anderen Reisenden gesprochen, die sich noch mehr erwartet hatten. Der Hype um Machu Picchu ist einfach unglaublich! Klar, dass diese alten Inka-Ruinen da nicht allen Erwartungen stand halten können und für den ein oder anderen eben zu überlaufen und touristisch sind. Sehenswert sind sie definitiv trotzdem!

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