Über den Wolken auf 6075 Metern

Wir stiegen aus dem Jeep aus, der uns auf knapp 5000 Meter brachte. Die Luft war hier spürbar knapper als 2500 Meter weiter unten in Arequipa. Uns peitschte kalter Wind und leichter Hagel ins Gesicht. Wir verloren nicht viel Zeit, luden unsere Rucksäcke vom Auto ab, zogen noch eine Schicht mehr an und wanderten los. Ganz gemächlich ging es auf einem leichten Pfad an einer Bergflanke entlang, rechts eröffnete sich ein großes Tal mit großen Felsstürzen. Das wandern mit dem schweren Rucksack war ungewohnt anstrengend, aber unsere Guides Gaston und Dario schlugen ein gemächliches Tempo an.

Auf zum Basislager

Unsere Gruppe bestand neben mir und den beiden Guides noch aus Logan aus den USA, der aber in Lima lebt, einem Pärchen aus Holland, Jolijn und Roy, und Angel aus Peru, ebenfalls aus Lima.
Auf der Hälfte des Weges mussten wir einen Felssturz queren, wo man auch mal Hand an den Fels anlegen musste und nach 1,5 h erreichten wir das Basislager. Eine große sandige Fläche, von der wir auf die Nordseite des Chachani gucken konnten, wo sich in Zick-Zack-Pfaden die ausgetretenen Wege hochzogen.

Nachdem wir unsere Zelte aufgestellt haben – wir hatten das Lager für uns allein – legten wir uns für eine Weile hin. Es war doch recht ungemütlich kalt hier…

Mentale Vorbereitung auf die Kälte am nächsten Tag…

Nachdem Hagel und Regen endlich verstummt waren und auch das Donnergrollen weniger wurde, kamen wir wieder raus und sahen – alles weiß! Kein Zick-Zack-Pfad am Hang, kein sandiger Lagerplatz – alles weiß! Die Landschaft war wunderschön…

Nach dem guten Abendbrot inkl. Vorsuppe, Reis, Schnitzelchen, Avocado und natürlich heißem Tee war ich noch ein wenig in der Gegend unterwegs, fror mir die Finger fast ab, aber konnte die wunderschöne Sonnenuntergangsstimmung genießen. Einmalig! Minütlich änderte sich die Lichtstimmung, die Sonne strahlte die Berge und Wolken in orange, rot, gelb und lila an. Que lindo!

Die Nacht begann um 18:30. Kopfschmerzen hatte ich keine, aber geschlafen habe ich trotzdem nicht viel. Ich schob es auf die Aufregung und den zu kleinen Schlafsack und das kurze Zelt. Ab 00:10 guckte ich im 5-Minuten-Abstand auf meine Uhr, um Punkt 01:00 war ich der erste der aus dem Zelt gebrochen kam.

Aufbruch ins Ungewisse

Der Lagerplatz war hell erleuchtet, der Vollmond schien auf den unberührten Schnee.

Zum Frühstück brachte ich es nicht über mich, meine Handschuhe auszuziehen, um Brötchen zu schmieren – es war echt zu kalt! Und trockenes Brötchen mochte ich schon als Kind gern 😉

Langsam liefen wir im Stirnlampen- und Mondschein los. 1000 Höhenmeter warteten – in über 5000 Meter flößte mir das schon Respekt ein.

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Kurz nach dem Start, fiel Angel immer wieder zurück. Nach 40 Minuten entschloss er sich umzukehren. Auch für Logan war bald Schluss. Beide fühlten sich nicht besonders gut, auch wenn die Nacht noch ok war. Soweit ich mitbekam, sind beide aber auch Freitag aus Lima (Meeresniveau) angereist, Samstag auf 5000 Meter gefahren und wollten Sonntag hoch. Nunja.

Auf 5800Metern war dann auch für Roy Feierabend. Auch er wurde immer langsamer und entschloss sich umzukehren.

Zu Dritt Richtung Gipfel

Dario, unser zweiter Guide, begleitete ihn nach unten, wie er es auch mit Angel und Logan tat, kam jedoch dieses Mal nicht wieder zu uns zurück, so machte ich mich mit Jolijn und Gaston allein zum Gipfel auf. Langsam wurde es hell, der Sonnenaufgang war wundervoll – wäre da nicht die Anstrengung gewesen 😉

Spätestens ab 5800 Metern war auch mir das Gehen immer schwerer gefallen. Das Gelände wurde steiler und der Schnee machte die Sache nicht leichter. Gaston lief zwar immer voraus und spurte komplett, aber ab und zu sank man dann doch ein. In der Nähe des Gipfels zum Teil bis zum Knie. Das Rauswühlen hat jedes Mal eine Menge Kraft gekostet. So lief ich ein paar Schritte und verschnaufte wieder. Auch wenn das kontinuierliche Gehen mir deutlich besser gefällt – es war leider nicht drin.

6075!

Aber irgendwann war es soweit. Wir standen am Kraterrand und Gaston sagte, es seien nur noch 15 min bis zum Gipfel. Es sah unendlich weit entfernt aus. Aber er behielt recht und um 07:15 Uhr, 5 Stunden nach dem Start, standen wir glücklich und kaputt, in den ersten Momenten nach Luft schnappend auf 6075 Metern über dem Meer. Wow. Das Wetter hätte besser nicht sein können und wir genossen eine wundervolle Fernsicht. Der unberührte Schnee um uns herum glitzerte in der Sonne, es wehte kaum ein Lüftchen und im Tal lag Arequipa, ganz still. Irgendwo da unten schlief Melli jetzt bestimmt noch 🙂

Wir hielten uns eine halbe Stunde auf und begannen dann den Abstieg. Der war entspannt und wir konnten im Schnee abwärts surfen, auf dem Po sitzend schlittern und mit jedem Meter wurde die Luft dicker. Auch die Motivation zum Fotografieren war jetzt stärker, die Finger waren nicht mehr ganz so kalt und die Anstrengung doch deutlich niedriger.

Eine Stunde später waren wir im Basislager, wo wir von den anderen, die sich noch eine zweite Runde Schlaf gönnten 😉 freundlich und mit Glückwünschen empfangen wurden! Nach einer kleinen Rast packten wir alles zusammen und liefen zurück zum Pass, wo wir abgeholt und zurück nach Arequipa gebracht wurden.

Auf der Rückfahrt bekam ich leichte Kopfschmerzen und schlief irgendwann ein. Jetzt war die Anspannung weg und mein Körper holte sich zurück, was er brauchte. Schlaf!  😉

Was für ein Erlebnis!

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