Über die Inkapfade der Isla del Sol

Die Isla del Sol im Titicacasee ist eine der mythologischen Stätten der Inka schlechthin. Der Sonnengott Inti hat hier seinen Sohn Manco Cápac auf die Welt gesetzt, der dann auch der erste Herrscher der Inka wurde. Das ganze geschah schon um 1200 herum. Wir bewegen uns also auf geschichtsträchtigem Boden!

Endlich mal wieder Ruhe

Nachdem wir in La Paz und Copacabana nicht wirklich Ruhe und Enstpannung finden konnten, wurde das auf der malerisch schönen Insel im Titicacasee mal wieder Zeit! Von Copacabana aus nahmen wir morgens um 08:30 das Boot Richtung Yumani, im Süden der Isla del Sol. Im Schneckentempo tuckerten wir über den See, um nach 1,5 h (zu Mellis Erleichterung, da sie dem Boot nicht ganz so vertraute 😉 ) endlich anzukommen. Nachdem wir mit „Hallo, 10 Bolivianos, bitte, Derecho de Ingreso empfangen wurden, ging es auch schon los. Vom Seeniveau (auf ca. 3800 m ü.N.N.) mussten wir ca. 100 hm über steile Treppen und Steinpfade (die wohl wirklich noch aus längst vergangenen Zeiten stammen) aufsteigen. Gar nicht ohne, mit ein bisschen Gepäck und dann noch in dieser spürbar dünneren Luft.

Nachdem wir unser kleines Hotel bezogen, machten wir uns nach einem kleinen Regenschauer auch schon auf den Weg, den Inselsüden zu erkunden.

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Wir ließen die (mehr oder weniger) gepflasterten Dorfwege bald hinter uns, und entdeckten einen schönen Aussichtspunkt auf einem Hügel. Am Weg standen Lamas und Esel, am Horizont waren einige Berge des Festlandes zu sehen, wenn auch die fernen, schneebedeckten Berge der Cordillera Real bei La Paz nur zu erahnen waren. Idyllisch schön lag der blaue See zu unseren Füßen, in seiner Mitte, einsam die kleine Isla de la Luna.

Ursprüngliches Landleben

Wir stiegen Richtung Cha’lla ab, einem kleinen Dorf, das verschlafen in einer Bucht liegt. Die Wegfindung war nicht ganz ohne, aber schlussendlich führte uns unser Begleithundi durch Terassenfelder und an einfacheren Lehmhütten vorbei wieder auf Seeniveau. Je näher wir dem Ort kamen, umso größer war auch die Vielfalt der lokalen Fauna 😉

Am Strand („Hallo, 15 Bolivianos, bitte, Derecho de Ingreso) machten wir ein Päuschen bei den immer noch karnevalistisch geschmückten Booten und guckten unseren – mittlerweile zwei – Begleithundis beim Herumtollen zu.

Nach einem typischen bolivianischen Gespräch („Hallo, was kostet denn die Toilette?“ – „Nichts, die ist gratis, Amigo!“ – „Oh, danke! Gibt es auch Klopapier?“ – „Ja, 2 Bolivianos, bitte!“ -„…“) machten wir uns auf den Heimweg. Ein Junge aus dem Dorf wollte wissen, ob das denn unsere zwei Hunde sind. Nein, nein. Die begleiten uns nur. Die finden die Gringos genauso interessant, wie wir das ziemlich ursprüngliche Landleben auf der Insel. Gäbe es nicht in jedem Minimarkt Coca Cola und Pringles… 😉

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Wir liefen in einigem Auf und Ab zurück nach Yumani. Die alten Inkawege liefen sich ganz gut, die verstanden ihr Handwerk! Weil wir jedoch ab und zu immer noch kräftige Atemzüge nehmen mussten, kamen gelegentliche Pausen ganz gelegen. Dann schlossen unsere beiden Hunde wieder zu uns auf und manchmal liefen sie auch den Abhang hinunter und jagten Schafen nach. Wir fühlten uns mittlerweile aber schon so verantwortlich dass wir Susi und Strolch wieder zur Ordnung riefen.

Nachdem wir weitere 10 Bolivianos gespart hatten („Hallo, 10 Bolivianos, bitte, Derecho de Ingreso“ – „Nein, nein, wir haben schon ein Ticket!“ – „Hm… na gut…“) gönnten wir uns eine Pause in der Sonne beim bolivianischen Nationalgetränk (Coca Cola… 😉 ) und einer superleckeren Quinoa-Suppe.

Im Inselnorden

Am zweiten Tag ging es für uns mit dem Boot in den Inselnorden. Nach Preisverhandlungen ohne Aussicht auf Erfolg („Hallo, was kostet das Boot in den Norden?“ – „25 Bolivianos.“ – „Echt? Wir haben 20 für die Fahrt von Copacabana hierher gezahlt und das ist viel weiter?!“ – „Jaa… 25 Bolivianos.“ – „Und vom Norden nach Copacabana?“ – „30 Bolivianos.“ – „Und von hier nach Copacabana?“ – „25 Bolivianos.“ – „Okaaaayyyy……“) stiegen wir aufs Boot und ließen uns in kurzer Zeit in den Norden der Insel bringen.

Nach dem schon bekannten „Hallo, 15 Bolivianos, bitte, Derecho de Ingreso“ liefen wir mit vielen Tagesausflüglern an einem Strand entlang, begleitet von Schweinen, die sich offensichtlich, wie die Hunde tags zuvor, über menschliche Zuneigung freuten.

Der Weg zog sich in die Höhe, die Ausblicke auf Halbinseln mit weiteren Terassenfeldern wurde immer hübscher. Nach einem Abschnitt an einer steileren, steinigen Küste entlang, erreichten wir einen schönen Aussichtspunkt, von dem der See unendlich weit schien. Hier und da kleine Inseln, ansonsten tiefblaues Wasser. Wir hätten auch genauso gut auf einer griechischen Insel in der Ägäis unterwegs sein können. Traumhaft!

Im Inselnorden waren die Inka fleißig. Wir konnten kleine Ruinen anschauen, die hier seit hunderten Jahren Wind und Wetter ausgesetzt sind, jedoch offensichtlich trotzdem überdauern. Beeindruckend!

Auf uralten Inkapfaden

Jetzt wurde es aber Zeit für uns, in de Inselsüden zurückzukehren. Die Straßen waren unglaublich. Ich weiß nicht, wie alt sie waren, aber ich kann nicht leugnen, dass es ein durchaus erhabenes Gefühl war, über ihnen zu wandeln. Noch dazu war es wunderschön. In sanftem Auf und Ab wanderten wir dahin und genossen ein ums andere Mal die malerische Aussicht über den See.

Das Wetter war einfach traumhaft und es war nichts mehr zu merken vom starken Gewitter der vorherigen Nacht. Der Lichtschutzfaktor der Sonnencreme konnte gar nicht hoch genug sein! 😉

Wir machten etwas abseits vom Weg eine Pause, wo wir die letzten Cracker aßen, die wir schon seit bestimmt 4 Wochen im Essensbeutel mit uns herumtrugen. Offensichtlich davon angelockt, saß auf einmal schon wieder ein Hund hinter uns 😉

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Der Rest der Strecke verging wie im Flug. Die Insel spart sich besonders im südlichen Teil ein letztes Highlight auf – Eykalyptuswälder! Der Duft ist wunderschön und dezent und es ist nach den hellen braunen und gelben Erdtönen im Norden wieder mal was Neues, satteres Grün zu sehen. Schön!

Und zack, waren wir auch schon wieder in Yumani angekommen. Den Abend verbrachten wir wieder in einem der zahlreichen – ziemlich ähnlichen – Restaurants und ließen uns die im Titicacasee vor Generationen ausgesetzten Forellen beim herrlichen Sonnenuntergang schmecken.

Zurück aufs Festland

Am nächsten Morgen nahmen wir das Boot zurück nach Copacabana, wo wir noch eine Nacht blieben, um tags darauf weiter nach Peru zu reisen.

Der Ausflug auf die Isla del Sol war eine sehr, sehr schöne Sache. Wir haben es sehr genossen, nicht nur einen Tag dort zu verbringen. Wer die Zeit hat bzw. sie sich nehmen will, sollte wirklich für eine oder zwei Nächte auf diesem ruhigen, relativ ursprünglichen Fleckchen Erde inmitten des wunderschönen Sees bleiben!

 

 

 

 

 

 

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