Die Death Road bei La Paz – Man muss kein Profi sein, um zu überleben

Dani erklärt uns den nächsten Abschnitt auf der Death Road: scharfe Linkskurve in 30 Sekunden, ein wenig loser Schotter, ansonsten wie im letzten Abschnitt. Ich versuche ihm zuzuhören und nicht auf die atemberaubende Landschaft um mich herum zu achten.

„Alle bereit? Dann bis zum nächsten Haltepunkt!“

Ich weiß nach den paar vorangegangenen Abschnitten jetzt schon genau, wann ich losfahren muss, um von niemandem überholt zu werden und auch keinen überholen zu müssen (was ich ganz praktisch auf dieser Strecke finde), nämlich an Platz 8 oder 9 der Gruppe… Insgesamt sind wir 10 Leute und immerhin bin ich schneller als „La Gabi“ aus Bolivien. Ihr Freund ist auch nicht gerade der Schnellste, aber… da bin ich ganz realistisch: Wenn er nicht ab und zu auf sie warten würde, würde ich ihn auch maximal von hinten sehen. So aber überholen wir uns öfter mal gegenseitig.

Na dann also weiter. Ich lasse Dani mitsamt der Führungsgruppe, zu der natürlich auch Erwin gehört ;-), vor mir losziehen. Schon nach 10 Sekunden sind sie hinter der nächsten Kurve verschwunden und ich sehe sie erst beim nächsten Haltepunkt wieder. Auch „La Gabi“ fällt relativ schnell hinter mir ab. Ich fahre also allein und frei auf dieser für Profis wahrscheinlich popelig einfachen Mountainbikestrecke. Danis Hinweise habe ich längst vergessen und da ich niemanden vor mir habe, der mir die Spur vorgibt, bin ich einfach überall vorsichtig! Das heißt natürlich: zwei Finger immer an den Bremshebeln. Und da ich gelernt habe, dass man nicht zu abrupt bremsen soll (weil sonst das Fahrrad zwar stehen bleibt, der Mensch aber nicht… Oder das Rad auf dem Schotter ins Rutschen kommt), bremse ich eben beständig ab, sodass ich hoffentlich jede Kurve, die da so vor mir auftauchen mag, kriegen kann.

Jubi (der zweite Guide) hat uns am Anfang erklärt, dass wir ziemlich gute Mountainbikes haben, die neu 2500 Dollar kosten, und auf die wir uns auf jeden Fall verlassen können. Ich freunde mich auf der Fahrt zwar ganz gut mit meinem fahrbaren Untergestell an (bis auf den unbequemen Sattel), so 100%-ig vertraue ich ihm aber doch nicht.

Wahrscheinlich hat das aber auch mit meiner bisherigen Fahrradkarriere zu tun:

  • Mit ungefähr 7 Jahren kommen die Stützräder weg. Das Fahren danach beschränkt sich auf die Kleingartenanlage meiner Großeltern (daran habe ich zwar sehr viel Spaß, aber es ist eben doch nicht soooo anspruchsvoll).
  • Als ich nach Berlin (mit 19!!!) ziehe, gibt es das erste Fahrrad ohne Rücktritt. Davor habe ich ein Fahrrad auch nur im Sommer gebraucht, um an den See zu fahren. Meine ersten Fahrten in Berlin beschränken sich darauf, 10 Minuten zum Sport zu fahren.
  • Der Karrieresprung kam dann vor nicht mal einem Jahr, als ich mir ein nagelneues tolles Fahrrad (eine Mischung zwischen City- und Trekkingrad) gekauft habe, um damit im Sommer zur Arbeit zu fahren. Das hat auch ganz gut geklappt!
  • Das erste Mal auf einem Mountainbike mit Kettenschaltung saß ich auf unserer Reise in Bariloche.

Ich wusste also vorher, dass ich vielleicht nicht die besten Voraussetzungen für diese Tour mitbringe, weswegen ich anfangs auch ziemlich skeptisch war. Nach einigen Recherchen im Internet, wonach die Tour doch ziemlich einfach und die Landschaft drumherum der Hammer sein soll, habe ich mir dann doch einen Ruck gegeben und Erwin begleitet.

Die Tour ist schnell gebucht

Aufgrund guter Bewertungen haben wir uns für Barracuda Biking entschieden und starten um 7.30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt in La Paz. Mit dem Bus geht es dann erst mal bergauf zum Startpunkt La Cumbre auf 4700 Metern. Unser Endpunkt wird Yolosa sein, dass gerade einmal auf 1200 Metern liegt. Insgesamt radeln wir 3500 hm und 55 km bergab, davon 22 km anfangs zum Eingewöhnen auf Asphalt, die restlichen dann auf der richtigen unasphaltierten Death Road!

Diese Straße führt von La Paz in die sogenannten Yungas, einer Landschaft, die den Übergang zum bolivianischen Regenwald markiert. Sie galt lange Zeit als gefährlichste Straße der Welt, da sich dort häufig tödliche Autounfälle ereigneten. Seit 2006 gibt es allerdings eine asphaltierte und gute Umgehungsstraße, weswegen die Death Road von Autos viel weniger benutzt wird und es demzufolge kaum noch Unfälle gibt.

Los geht’s also auf der noch asphaltierten Straße, nachdem wir Pachamama, Mutter Erde, um ihren Segen gebeten haben, indem wir 96%-igen Alkohol auf die Erde und unsere Fahrräder geschüttet haben (ein Tröpfchen muss auch im Mund landen… Bäh!).

Jubi und Dani sind wirklich sehr gute Fahrer und einer von beiden führt die Gruppe immer an. Jubi hält sogar den Geschwindigkeitsrekord für die Death Road. Mit der Asphaltstrecke sind wir nach ungefähr einer halben Stunde fertig. Danach geht es zurück in den Bus, denn die kommenden 8 km bergauf schonen wir unsere Kräfte lieber und bekommen ein Sandwich zur Stärkung 😉

Danach wird es dann ernst

Wir kommen auf der eigentlichen Death Road an. Ein paar Tipps gibt es noch von Dani und Jubi und dann schwingen sich alle auf ihre Räder und fahren. Als ich ganz am Anfang noch an der Hauptgruppe dran bin, in einer Kurve aber etwas ausschere, ist für mich klar: den Geschwindigkeitsrekord werde ich heute knapp verfehlen… In der Anfangsphase machen wir viele Stopps, bei denen auf alle gewartet wird und dann geht es weiter. Dani erklärt uns jede Passage vorher.

„La Gabi“ fährt nach den Stops leider oft vor mir los und hat irgendwie noch nicht ganz begriffen, dass sie tatsächlich langsamer ist als ich. Das stinkt mich ja ein bisschen an, weil es zur Folge hat, dass ich nach wenigen Sekunden irgendwie versuchen muss an ihr vorbei zu kommen. Und überholen ist hier eben nicht überall ganz einfach.

Aber trotzdem: langsam bekomme auch ich Spaß an der Sache. Die Natur ist einmalig toll und wir haben Glück mit dem Wetter, weil es weder regnet noch total nebelig ist. Bald gibt es ein nächstes Snackpäuschen mit Cola, Bananen und Schokolade.

Erwin: Jetzt muss ich auch mal meinen Senf dazugeben. Das ganze war schon eine richtig spaßige Angelegenheit! In der Spitzengruppe tummeln sich immer so 5-7 Personen. Auf der Asphaltstraße artete das Ganze noch in ein kleines Rennen aus, auf der Death Road sind alle etwas vorsichtiger (wobei jedoch zumindest bei mir immer noch Ehrgeiz vorhanden ist, möglichst nur den Guide vor mir zu haben 😉 ) Es machte einfach Spaß auf der Schotterpiste zu fahren, die tolle Natur zu genießen, die Abgründe links und Wasserfälle rechts zu haben, zu probieren, ob auch ich einen kleinen Sprung über Steine hinbekomme (was wohl nicht sooo gut klappte…) und einfach im Rausch der Geschwindigkeit zu sein. Es hat richtig Spaß gemacht, was auch an unseren sehr gut gewarteten KONA-Mountainbikes lag.

Je weiter wir nach unten kommen, desto wärmer wird es und wir ziehen uns unsere dicken Sachen aus. Am Ende der Strecke wir es dann auch teilweise flacher und man muss ausnahmsweise auch mal treten um voranzukommen. Puh!!!

Und irgendwann ist es dann soweit. Nach 2,5 Stunden auf der Death Road kommen wir allesamt heil und unbeschadet am Ziel an. Und ich bin echt ganz schön knülle. Wie gut, dass wir nach einem kurzen Anstieg zu einem Hotel kommen, wo wir uns ein kühles Getränk gönnen können.

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Die Stimmung ist gut, immerhin haben alle überlebt. 😉 Darauf packt Jubi dann auch ein paar Horrorgeschichten aus seinem Guideleben aus. Tatsächlich sind auf der Death Road schon Radfahrer gestorben, was aber wohl in den meisten Fällen daran liegt, dass die Leute die Anweisungen der Guides nicht beachten, oder sich selbst einfach überschätzen. Viel schlimmer als die Todesgeschichten finde ich aber die Verletzungen, die es gegeben hat. Von gebrochenen Rücken und Oberschenkelknochen (mit wirr abstehenden Beinen) ist da die Rede. Ich weiß nicht, ob ich mit diesem Wissen die Tour gemacht hätte…

Das Wetter ist sonnig und warm, also springen wir in den Hotelpool. Dort wird dann noch eine Runde Wasserball gespielt und so verfliegen 2 Stunden bis es dann noch Buffet, quasi Abendbrot, gibt. Gegen 18 Uhr fahren wir mit dem Bus zurück Richtung La Paz. Die Fahrt dauert lange 3,5 Stunden und ich denke, dass das sehr gut für ein Nickerchen ist!

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Falsch gedacht!

Jubi und Dani sind offenbar in Partystimmung. Immerhin ist Samstag, auch noch mitten in der Karnevalszeit und die beiden haben morgen frei. Auch ein paar andere in unserer Gruppe haben Lust zu feiern, also wird sich fleißig Bier und vor allem eine (wie ich finde) eklige Cuba-Libre-Mischung in der 2 Liter Flasche geholt. Ja, das Zeug gibt es hier tatsächlich schon fertig gemixt zu kaufen. Erwin und ich bleiben bei Wasser. Zum einen sind wir ziemlich knülle und außerdem soll Bolivien nach viel Weingenuss in Chile und Argentinien bei uns alkoholfrei bleiben. Trotzdem spielen wir bei den nicht jugendfreien Trinkspielchen im Bus mit und stürzen dann eben einen ordentlichen Schluck Wasser hinunter. Ein wenig Leid tut mir der nüchterne Busfahrer, wobei es für ihn vielleicht auch ganz unterhaltsam ist.

Gegen 22 Uhr liegen wir müde, aber immer noch etwas aufgeputscht von der Death Road in unseren Betten. Es war ein richtiger Actiontag mit viel Adrenalin.

Aber er hat beweisen, dass auch Gelegenheits-Radfahrer diese Tour gut überstehen 😉

Die Fotos sind größtenteils von Dani und Jubi während der Fahrt aufgenomomen worden (und z.T. anschließend noch bearbeitet worden…) Nur ein paar sind von Erwin. Man kann vielleicht erkennen, welche 😉

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