Pucón – das Mekka der Abenteuer erwartet uns

Pucón liegt im nördlichen chilenischen Seengebiet und gilt als der Hotspot schlechthin für alle möglichen Outdoorabenteuer. Hier lockt Chiles aktivster Vulkan Villarica und die Flüsse und Seen rund um den Ort bieten tolle Möglichkeiten zum Rafting, Canyoning, (Wildwasser)-Kajak und Hydrospeed“ in allen Schwierigkeitsgraden. Einen Blick von oben in den Vulkankrater kann man beim Paragliden und Fallschirmspringen genießen. Außerdem hat man die Möglichkeit, in zahlreichen Nationalparks zu wandern und zu reiten und  den für diese Region so typischen Baum, die Araukarie, zu bestaunen.

Outdoortechnisch gibt es also (fast) nichts, was es nicht gibt.

Das hieß für uns natürlich: Nix wie hin!!!

Für kleine und große Abenteuer sind wir schließlich hier 😉

Schon bei der Ankunft merken wir aber, wie unglaublich touristisch dieser Ort ist. In der Hauptstraße, der Avenida Bernardo O’Higgins reiht sich ein Tourenanbieter an den nächsten, dazwischen zahlreiche Restaurants und Cafés. Und Heerscharen von Menschen sind unterwegs. Mit so vielen Touris hätten wir hier nicht gerechnet und sind erst einmal etwas enttäuscht, weil irgendwie ein bisschen Ballermann-Feeling aufkommt.

Aber es ist nun mal gerade Hauptsaison. Und wir sind ja auch hier…

Aber gut, dann eben rein in den Tourispaß 🙂 Wir sind schließlich hier um etwas zu erleben, also buchen wir die ersten Touren.

Los geht es mit Rafting. Man kann zwischen einfacher (Wildwasserkategorie II-III) und schwieriger (III-IV) Fahrt im Wildwasser wählen und da wir Einsteiger sind, fangen wir (auf mein Drängen 😉 ) erst mal leicht an. Mit unserem Guide und 6 Mitabenteurern sind wir eine Stunde auf dem Wasser unterwegs und trotz vermeintlich einfacher Fahrt alle klitschnass und froh, einen Neoprenanzug bekommen zu haben. Es war wirklich ein cooles Erlebnis und für 20 Euro fast ein Schnäppchen. Leider konnten wir wegen des Wassers keine Fotos machen, aber in diesem YouTube-Clip könnt ihr einen guten Eindruck bekommen.

Noch mehr Wildwasser!

Die Lust auf mehr war geweckt!

Die Auswahl war groß, aber wir haben uns schließlich für eine Tagestour im Wildwasserkajak entschieden. Erwin hatte davor schon damit geliebäugelt, um seine vorpommerschen Vereinskajak-Kenntnisse auch auf den wilden Flüssen Chiles unter Beweis stellen zu können! 😉 Für mich musste allerdings das volle Anfängerprogramm her, da ich bisher nur auf ruhigen Brandenburger Seen im Zweierkajak saß. Der Touranbieter Kajakchile hat uns ein tolles Tagesprogramm erstellt. Los ging es bei mir am Vormittag zum Grundlagentraining im See gemeinsam mit einem Vater-Sohn-Gespann aus Chile und unserem Guide Shahid. Erwin spielt vom Ufer wie immer gern Paparazzi 😛

So ein Wildwasserkajak fährt sich wirklich anders, als die Zweierkajaks, die ich bisher gewohnt war. Vor allem in voller Montur mit Neoprenanzug, Trockenjacke, Schwimmweste, Helm und Spritzverdeck. Da kommt man sich wirklich vor wie ein kleiner Profi…

…wenn es doch nur mit dem Geradrausfahren besser klappen würde… 😉

Schon beim ersten Auf-Den-See-Raus-Fahren liegt der Vati aus Chile im Wasser. „Na, das fängt ja gut an…“, denke ich mir… Wenn er das kann, dann ich sicherlich auch… Aber Shahid übt mit uns alle Grundlagen, insbesondere das Lenken, was beim Wildwasserkajak sehr viel mit dem Ankanten des Bootes gemacht wird. Schön aus der Hüfte das Boot mit einer Seite leicht ins Wasser drücken. Interessant, dass man so das Kajak in verschiedene Richtungen drücken kann.

Und Schwups – beim Üben dieses Ankantens haut es auch mich ins Wasser. Ich wurtschel mich zwar schnell aus dem Spritzverdeck heraus und bin wieder oben, danach aber erst mal noch vorsichtiger. Auf dem Fluss bei Strömung hab ich da definitiv keine Lust drauf!

Nach einem sehr guten gemeinsamen Mittagessen mit Sandwiches, Obst und Keksen geht es dann auch zum Rio. Jetzt darf auch Erwin ran! Mit Strömung ist alles noch ein bisschen anders und richtig cool. Gemeinsam üben wir den Fluss bei Strömung zu überqueren und in strömungsfreie Zonen, sogenannte Eddies zu fahren.

Und dann geht’s los! In die Strömung und abwärts, wobei das alles noch deutlich harmloser ist als beim Rafting. Aber mich fordert es ganz gut. Vor allem das Kajak zu steuern und es genau da hinzulenken, wo ich möchte (also wo der Rest der Gruppe gerade ist), gelingt mir nicht immer. Trotzdem komme ich nach 1,5 Stunden Fahrt durch wunderschöne Natur am Ende an, ohne umgekippt zu sein. Puh… geiles Erlebnis! 🙂

Für Erwin beginnt jetzt die Action!

Erwin’s dramatische Schilderung: Für mich war der erste, ruhigere Teil, auch eine sehr, sehr gute Übung. Ich habe früher zwar auch die Eskimorolle geübt und saß recht sicher im Boot, aber im Wildwasser war auch ich noch nie unterwegs und meine Vereinszeit ist schon 8 Jahre her… Zum Glück komme ich aber heil und sicher durch den oberen Rio Liucura und kann Shahid zeigen, dass ich die Rolle noch kann. Ansonsten hätte er mich auch nicht mit auf den weiteren, deutlich anspruchsvolleren, Teil genommen. 

Nach einer Pause fahren wir zu zweit weiter und es wird ab der ersten Stromschnelle deutlich schwieriger und bewegt sich jetzt im Bereich der Kategorie II-III. Beim ersten Einfahren in einen Eddy, der hinter einer sehr harten Strömungslinie liegt, passiert es dann auch mir zum ersten Mal. Einmal zu viel mit der Hüfte gewackelt, liege ich im Wasser, kann mich aber wieder hochrollen. Jawoll, Feuertaufe geschafft! 😀

Shahid fordert mich jetzt ein bisschen heraus, ich soll in einer langen Stromschnelle ein paar strömungsfreie Bereiche hinter großen Steinen finden (was mich erst ganz schön überfordert…).

Vor jeder Stromschnelle sprechen wir durch, wie wir sie angehen, wo es lang geht, wie dicht ich hinter ihm fahre. Trotzdem ändere ich einmal ungewollt meinen Kurs und laufe mit der Bootsseite auf einen Stein auf und komme in Schräglage. Das Wasser spült von links aufs Boot rauf, ich kann nicht vor, nicht zurück. 

Panik.

Auf einmal ist das Paddel weg. Scheiße!!! Wie konnte das passieren??? „Shahid!!! My paddle!!!!!“ Er ruft irgendwas, ich höre ihn nicht. Es ist zu laut. Es ruckelt, das Wasser hat mich vom Stein gelöst, ohne Paddel treibt es mich ein paar Meter in den Wellen abwärts und schon kippe ich.

Noch mehr Panik. 

Zum Luftholen blieb vorher kaum Zeit, also entscheide ich mich für das einzig Richtige und steige aus. Luft. Endlich. Wahrscheinlich war ich nur 5 Sekunden unter Wasser, aber es fühlte sich wie eine Ewigkeit an.

Jetzt bin ich richtig froh, dass Shahid mein Guide ist. Er rettet mich so routiniert, dass ich, als ich erst mal tropfend und etwas niedergeschlagen am Ufer sitze, sehr erleichtert bin und ihm spätestens jetzt voll und ganz vertraue. Ich bin platt, er baut mich auf, dass ich einfach Pech hatte und mich sehr gut geschlagen hätte, so lange, wie ich noch im Boot blieb. Naja. Boot ausleeren, tief durchatmen, beruhigen. Weiter gehts.

Die nächsten Stromschnellen gehen wir etwas vorsichtiger an, alles läuft aber super. Kurz vor dem Ende tauche ich ein drittes Mal ab – wieder mitten in der Stromschnelle – kann mich aber hochrollen, tauche mit dem Heck stromabwärts wieder auf, drehe mich gerade schon routiniert um 😉 und fahre die Stromschnelle zuende. Jawoll! Shahid rastet vollkommen aus, gibt mir ein begeistertes High-Five („Yeah! You did it!!! Very cool!!!“) und spätestens jetzt ist mein Selbstvertrauen zurück. Diese Passage nennt man wohl auch „Todes-Stromschnelle“. Pah, nicht für mich 😉

Nach einer letzten kleinen Passage sind wir auch schon am Ausstieg. Der Bus, der uns abholt hat kaltes Bier und ein weiteres Sandwich an Bord und ich fühle mich richtig glücklich und danke Shahid ewig oft für diesen geilen Tag!

Heiße Lava sehen

Der aktive Vulkan Villarica ist die Attraktion schlechthin in Pucón. Überall wird die Tour für eine Besteigung bis zum Kraterrand angeboten. Sämtliches Zubehör (Schuhe, Eispickel, Steigeisen, Jacke, Hose usw.) ist dabei inklusive. Lediglich das Wetter muss passen, denn nur wenn der Vulkan nicht in Wolken liegt, darf man hinauf. Da es die letzten Tage viel geregnet hat, haben wir am Dienstag erst eine Tour für den kommenden Samstag buchen können. Davor war alles voll! Ich bin anfangs schon skeptisch, ob ich wirklich hoch möchte. Der Preis und die Vorstellung zusammen mit Hunderten anderer im Gänsemarsch hochzulaufen schrecken mich ab. Also cancel ich das Ganze einen Tag vorher. Am pärchenfreien Tag macht Erwin die Tour auf den Vulkan und ich radele 30 km zusammen mit ein paar Leuten aus dem Hostel um Pucón herum!

Erwin: Die Besteigung verlief tatsächlich im Gänsemarsch. Knapp 1000 hm ging es aufwärts, zuerst durch Lavagestein, später mit Steigeisen an den Schuhen über vergletscherte Schneefelder bis zum Kraterrand. Die Guides schlugen ein langsames Tempo an, um niemanden aus der Gruppe zu verlieren.

Von der gesamten Tour aus hatte man wunderschöne Blicke ins Tal. Pucón und der Lago Villarica lagen zum Teil unter Wolken, am Horizont sah man die Morgensonne aufgehen, ganz oben, weit über dem Gipfel des Vulkans war wieder eine Wolkenschicht. Traumhaftes Wetter.

Am Kraterrand sahen wir dann (mit vielen anderen) das Spektakel. Das Innere des Kraters war von den Gasen, die der Vulkan ständig ausstößt, Grün und Gelb. Einige Meter unter uns lag erstarrte Lava auf dem Kraterboden und in der Mitte glühte aus einem Loch die flüssige Lava. Von Zeit zu Zeit fauchte der Vulkan und spuckte Lavatropfen aus, die sich dann heiß, rot und glühend an den Kraterwänden verteilten und rasch erstarrten. Ein Schauspiel ohnegleichen!

Der Abstieg war sehr spaßig. Mit einem Plastikschlitten unterm Hintern und robuster Jacken-Hosten-Kombination ging es schnell bergab.

Fun Fun Fun! 😉

Was erleben ohne Tour!

Insgesamt waren wir 6 Tage in Pucón. Jeden Tag eine Tour mitmachen, geht allerdings ziemlich ins Geld und man kann auch einiges auf eigene Faust unternehmen.

Wir haben beispielsweise einen Tagesausflug zum Nationalpark Huerquehue unternommen. Mit dem lokalen Bus kommt man morgens zum Parkeingang, muss den in Chile häufig obligatorischen Parkeintritt zahlen und kann loswandern. Wir haben eine ziemlich populäre Wanderung („Los Lagos“) zu einigen türkisblauen Bergseen unternommen und dementsprechend war auf den Wanderwegen auch einiges los. Die Natur war trotzdem sehr beeindruckend.

Außerdem kommt man mit den Bussen auch zu vielen heißen Quellen rund um Pucón, den Termas. Wir wollten gern zu den Termas Los Pozones, doch leider hat uns der populärste Triathlon in Pucón da einen Strich durch die Rechnung gemacht, da alle Straßen gesperrt waren. Es war leider unser letzter Tag. Die heißen Quellen müssen also bis zum nächsten Mal warten…

Hasta la proxima, Pucón! 😉

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