Mit dem Rad durch die Halbwüste zum Punta Loma

„Wieso haben wir denn jetzt keinen Wind, verdammte Axt???“, ruft mir Melli über die staubige Piste entgegen. Wir rollern schnell über die kleinen Steine hinweg.

Auf dem Hinweg sah das ganz anders aus, wir hatten Gegenwind und die Geröllpiste stieg langsam aber sicher an. Was für eine Schinderei! Nur die Aussicht auf die Seelöwen am Punta Loma und den Rückenwind auf dem Heimweg hielten die Laune halbwegs oben…

Durch karge Landschaften unter sengender Sonne

Im Hostel liehen wir uns am Morgen Fahrräder aus, die zwar abgerockt waren und sich auch so fuhren, ihren Zweck aber erfüllten.

Wir wollten von Puerto Madryn, der Stadt, die eigentlich für die Nähe zur Halbinsel Valdés mit einer Fülle an Tieren bekannt ist, zum 17 km entfernten Punta Loma fahren, von wo man eine gigantische Seelöwenkolonie am Strand beobachten kann.

Kaum hatten wir die Stadt verlassen, fanden wir uns auf einer Straße inmitten der nordpatagonischen Steppenlandschaft wieder. Fläche Gräser bis zu den Bergen am Horizont. Die Sonne knallte vom Himmel und alles war in einen hellen braungelben Ton getaucht. Nur das laue Lüftchen machte die Fahrt aber erträglich.

Die Landschaft wurde bergiger, das laue Lüftchen mauserte sich zum Gegenwind und die Fahrt wurde… weniger erträglich…

Nachdem uns ein anderer Radler die erlösende Nachricht gab, dass es „nur noch über diesen Hügel“ sei und man dann bergab rollen konnte, waren wir tatsächlich bald am Ziel – Punta Loma.

Seelöwen – toll!

Von einem Aussichtspunkt hat man einen super Blick auf eine halbmondförmige Bucht, wo sich hunderte Seelöwen tummeln.

Männchen mit ihrem Harem voller Weibchen, Junge, sich beißende Tiere (wobei, vielleicht ist es auch ein (Liebes-) Spiel?! 😉 ), niedlich dreinblickende Seelöwis, die gerade so mit der Schnauze aus dem Wasser gucken… Man kann dort einen ganzen Tag stehen und die Tiere beobachten, es wird einfach nicht langweilig!

Es sah aus – wobei Melli meine Einschätzung nicht ganz teilte – wie hunderte Schnitzelchen in der Pfanne. Bildet euch selbst eine Meinung 😉

Auf einmal rannten einige Dutzend Tiere los Richtung Wasser, das Rasseln der Steinchen am Strand war bis oben deutlich zu hören. Was auch immer sie geritten hat, ein ganzer Haufen schwamm aufs Meer hinaus.

Irgendwann traten wir doch den Rückweg an. Wir winkten fleißig zum Abschied – es ist zu niedlich. Auch als gestandener Mann *hust* muss ich das definitiv zugeben! Tiere in freier Wildbahn zu beobachten ist halt ein ganz anderer Schnack als Fernsehen, Zoo oder Fotos. Uns gefiel das Konzept ganz gut, dass die Aussichtsplattform weit genug vom Strand entfernt ist und man nur mit Hilfe eines ausreichenden Teleobjektivs etwas näher rankommt 😉

Leave nothing but footsteps, take nothing but photos!

Wieso haben wir für den Hinweg nur so lange gebraucht?

Der Rückweg war irgendwie nicht mit dem Hinweg vergleichbar. Easy. Hatten zwar keinen Rückenwind, aber das war beim abwärts rollern dann auch egal… Aber über mehr Schub von hinten hätten wir uns auch nicht beschwert!

„…, verdammte Axt“ – das waren Mellis Worte 😀

Wir legten einen letzten Zwischenstopp bei einer großen Sanddüne ein, wo wir – eigentlich eher ich – nicht widerstehen konnten, im Sand zu toben. Immer wieder ein Highlight, das wird nie langweilig!

Im Schlüpper durch Puerto Madryn

Am Stadtrand wollte ich dann nochmal richtig im Südatlantik baden. Badehose und Sporthose ist auf dieser Reise glücklicherweise ein und dasselbe Kleidungsstück… und rein ins kühle, salzige Nass!

Dumm nur, dass nun die Hose – so wie der Ozean – klitschnass und kalt war und ich mich nicht überwinden konnte, sie anzuziehen, da ich sonst eine ernsthafte Blasenentzündung riskiert hätte. Da denkt der vorausplanende Reisende mit und will die Krankenversicherung ja eher nicht belasten.

„Augen zu und durch, die 20 min zum Hostel fahr ich doch im Schlüpper!“, dachte ich – und wurde durch Melli bestärkt, die sich bestimmt insgeheim hinter mir auf dem Fahrrad köstlich amüsiert hat… 😀

Ein Auto hat mich zwar angehupt, aber das nehme ich mal als Kompliment!

Fotos gibt es zum Glück nicht 😉

Ein Gedanke zu “Mit dem Rad durch die Halbwüste zum Punta Loma

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